ZOLL | DOUANE

Zoll - Douane ist ein Kunst im öffentlichen Raum Projekt, das vom 31. Juli - 17. Oktober 2004 in der Speicherstadt Hamburg stattfand und an dem 30 internationale KünstlerInnen mit Malerei, Foto- und Videoarbeiten sowie Rauminstallationen beteiligt waren.

Die Grenze in ihren vielschichtigsten Bedeutungen ist eines der zentralen gesellschaftlichen und kulturellen Themen unserer Zeit. Die Ausstellung umfasste Arbeiten, die konkrete Grenzsetzungen thematisierten und deren Verankerung, Verteidigung und Verschiebung innerhalb von Gesellschaften.

Über Grenzen

Staatsgrenzen sind künstliche Gebilde, im juristischen Sinne "vorgestellte Linien", die das Gebiet zweier Staaten trennen. Jene regeln und kontrollieren besonders im Pass- und Zollrecht den Personen- und Warenverkehr über ihre Grenzen. Wie das slawische Lehnwort "Granitza" (oder polnisch "Greincz" zu "schützen, bewahren") nahe legt, stellten Grenzen über Jahrhunderte ein wesentliches Bestandteil des menschlichen Gemeinschaftslebens dar, insbesondere solange Hof- und Grundbesitz die wichtigste familiäre Existenzgrundlage bildete und geschützt werden musste.

Seit der kapitalen Marktwirtschaft wurden Grenzen zunehmend benutzt, um Waren- und Menschenströme zu Gunsten der eigenen Wirtschaft zu regulieren. Mit nationalen Grenzen entstanden nationale Identitäten, Reisedokumente sind deren wichtigstes Indiz. Doch mit Grenzziehungen waren auch immer Streitigkeiten verbunden, Instabilität scheint ihnen inne zu wohnen.

Obwohl ein fundamentaler Grundsatz des Völkerrechts die wechselseitige Unverletzlichkeit der Grenzen vorsieht, kennt die Geschichte zahllose Grenzkriege, die tiefe Wunden hinterließen. Die hier oft verwendete Metapher von Staatsgrenzen als Außenhaut eines Körpers ist augenfällig. Äußerst ambivalent empfinden wir auf individueller Ebene Begrenzungen als Schikane, persönliche Einengung und lästiges Übel, wünschen uns grenzenlose Freiheit. Doch Abgrenzungen und Schranken schützen uns auch vor Übergriffen auf unsere Integrität. Das gleiche gilt für soziale und kulturelle Grenzen, die für die einen Schutz, für die anderen unüberwindbare Barrieren darstellen.

So scheint es schon immer eine doppelte Kunst gewesen zu sein, Grenzen zu sichern und sie zugleich zu öffnen. Inzwischen, im beginnenden 21. Jahrhundert, scheint der Blick auf Grenzen weniger einer der Trennung und Isolierung als einer der Brückenbildung und des "between" zu sein. Ob dies immer im Sinne von Kontakt und Austausch zwischen differenten, abgegrenzten und gleichzeitig respektierten Lebenskonzepten geschieht, bleibt jedoch abzuwarten. (Ch.B.)